Das Geheimnis FDM – Fünf faszinierende Funktionen von Faszien

Das Geheimnis FDM – Fünf faszinierende Funktionen von Faszien

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©fascialnet.com

Im vorherigen Teil der Artikelreihe Das Geheimnis FDM habe ich kurz dargestellt was Faszien sind, zumindest aus Sicht des Modells. Das ist wichtig zu verstehen, dass diese Betrachtung der Faszien diesem Modell Zugrunde liegt und das Modell auf dieser Definition aufbaut. Betrachte ich Faszien aus schulmedizinischer oder einer anderen Sicht und versuche nicht diesen Blickwinkel zu verstehen, kann dieses Modell nicht funktionieren, kann dieses Modell nicht verstanden werden.

Dieser Teil behandelt die Funktionen von Faszien. Auch hier ist zu verstehen, dass es durchaus zu unterschiedlichen Ansichten kommen kann, was durch unterschiedliche Definitionen von Faszien zwangsläufig so kommen muss.

Faszien haben eine Trägerfunktion und dienen der Kraftübertragung und Stabilität – demnach muss das Muskel-Hebel-Gesetz überdacht werden.

Wie bereits dargestellt umhüllen Faszien Gefäße, Muskeln, Knochen, Organe, so ziemlich alles an unserem Körper. Gleichzeitig befestigen Faszien das umhüllte an das umliegende Gewebe. Dadurch nimmt unser Körper Form und Struktur an und alle bleibt beisammen. Anders würden wir wohl überall in der Gegend als Einzelteile rumfliegen. Ist klar, dass das nicht funktionieren könnte. Deswegen werden Faszien eine Trägerfunktion zugesprochen. Irgendwer muss schließlich diese Aufgabe übernehmen.

Im Zuge der Erkenntnisse über Faszien, deren Funktion und Aufgaben, deren Leistungsfähigkeit muss – wer dieses Modell annimmt – das Muskel-Hebel-Gesetz in Frage gestellt werden. Dies zeigt sich daran, dass die am Muskelursprung gemessene Kraft nicht der am Muskelansatz gemessenen Kraft entspricht. Auch aus dem Beispiel des Gluteus (der große Gesäßmuskel), dass 1/3 der Kraft über Faszien bis ins Knie übertragen wird, lässt sich mindestens schlussfolgern, dass das Muskel-Hebel-Gesetz überdacht werden muss. Aus diesem Grund werden Faszien eine Kraftübertragungsfunktion zugesprochen. In diesem Zusammenhang spielt die Gleitfähigkeit bzw. Verklebung von Faszien eine große Bedeutung. Eine erhöhte fasziale Spannung führt zu Verklebungen. Verklebungen schränken die Gleitfähigkeit der Faszien ein. Aus der Kraftübertragungsfunktion heraus führt dies zu einer Mehrbelastung der Muskulatur – weil die Faszie nicht mehr sauber arbeiten kann. Ein Muskel der ständig unter einer erhöhten Belastung steht, macht sich früher oder später durch Schmerzen bemerkbar. Wer kennt es nicht, Verspannungsschmerzen im Rücken, die Beine tun einem weh, der Hals ist verspannt oder gar die wahnsinnig tolle Diagnose eines bspw. BWS-Syndroms. Der fasziale Zusammenhang solcher Verspannungen macht sich spätestens dann bemerkbar, wenn du das nächste Mal auf der Liege deines Physios liegst, dieser Gewebe triggert und du ein ausstrahlendes ziehen, gefolgt von einem Gefühl der Entspannung teilweise bis in andere Extremitäten verspürst!

Die Bedeutung der dynamischen Stabilität zeigt sich – so erklärt es auch FDM – am Beispiel von Bäumen, Gräsern, Getreidehalmen und vieles mehr. Würden sie einfach nur Stabil sein und in bspw. bei starkem Wind keinerlei Nachgiebigkeit mit sich bringen, würden sie wahrscheinlich einfach nur brechen. Es findet eine dynamische Bewegung statt und trotzdem bleiben sie in ihrer Form bestehen, es existiert also gleichermaßen eine Stabilität.

Das gleiche können wir in dynamischen Sportarten betrachten. Seien es Handballer, Speerwerfer, Volleyball, ganz gleich: Diese Athleten gehen in eine Art überstreckte Vorspannung um zusammen mit der Muskulatur ihrer Tool (Ball, Speer) zu Beschleunigen. Dabei findet keine willkürliche Bewegung statt und kurz vor der Beschleunigung wird das Tool durchaus gehalten: dynamische Stabilität.

Die naturgeschaffene Funktion der Stoßdämpfung erklärt das Überstehen von unglaublichen Stürzen, Sport- oder gar Autounfällen ohne lebensbedrohliche Verletzungen.

„Da hattest du aber einen ziemlich großen Schutzengel an deiner Seite“. Wer kennt diese Geschichten nicht. Menschen überleben unglaubliche Stürze, Sport- und Autounfälle und haben keinerlei lebensbedrohliche Verletzungen von bspw. Organen erlitten. Ich bezweifle nicht, dass auch eine ganze Menge Glück mit rein spielt. Der Kraftvektor zur richtigen Zeit im Verhältnis zum Objekt, welches dem Kraftimpuls im Weg ist………… – ohne Frage gibt es auch physikalische Erklärungsmöglichkeiten.

Der Körper hat eine eigene, er hat dafür eine naturgeschaffene Funktion: Die Stoßdämpferfunktion. Jeder Schüler lernt es im Biologieunterricht (zumindest zu meiner Zeit). Demnach übernimmt die Krümmung der Wirbelsäule unter anderem eine Stoßdämpferfunktion ebenso wie die Bandscheiben. Ich gehe einen Schritt weiter. Wenn wir etwas abfangen oder gar aus erhöhter Position runter springen, gehen wir automatisch in eine dämpfende Position rein in dem wir bspw. in eine angedeutete Hocke oder tiefe Kniebeugen Position gehen – ich bleibe am Beispiel des Abfangens.

Der Logik nach, dass der Körper aus faszialen Ketten besteht, findet die Impulsübertragung beim Abfangen eines Gewichts über die fasziale Kette in die Beine, in den Boden statt. Daraus folgt, dass auch den Faszien eine Stoßdämpferfunktion zugesprochen wird. Ist der Impuls für die Stoßdämpferfunktion zu groß, so findet immer als erstes eine Schädigung der Faszie statt. Der Körper ist in der Lage Schädigungen an Faszien zu kompensieren, zumindest soweit, dass das Leben erhalten bleibt. Natürlich hat auch diese Stoßdämpferfunktion ihre Grenze. In diesem Zusammenhang: Wer kennt es nicht? Ein Stoß, ein Sturz auf das Handgelenk und das Gelenk schmerzt. Die Diagnose: Eine Prellung oder Stauchung. Diesem Modell nach liegt in diesem Fall eine Störung einer Faszie vor, weil die Krafteinwirkung zu stark gewesen ist und die Stoßdämpferfunktion diese nicht kompensieren konnte. Es gibt so viele Möglichkeiten warum bei den einen geringere, bei den anderen größere Kräfte ausreichend sind oder benötigt werden, damit es zu einer spürbaren Störung kommt. Um nur auf eine einzugehen: Es lag bereits in der Struktur der Faszie aber an anderer Stelle eine nicht wahrgenommene Störung vor weshalb die Stoßdämpferfunktion nicht vollständig leistungsfähig gewesen ist.

Lasst mich euch das ein wenig verdeutlichen: Ihr nehmt ein Seil, Kordel, was auch immer. In dieses Seil macht ihr in unterschiedlichen Abständen Knoten rein. Zusätzlich verdreht ihr das Seil in sich. Es dreht sich teilweise von selbst wieder auf – zumindest versucht es das. Dieses Seil, in diesem Zustand soll nun Gewicht tragen oder gar einen Impuls abfangen (bspw. beim Klettern den Sturz eines Kletterers). Zunächst will das Seil am liebsten in seine ursprüngliche Struktur zurück, sich also Aufdrehen. Durch die Rahmenbedingungen wird es daran gehindert. Es besitzt nicht mir die Leistungsfähigkeit wie ursprünglich. Im schlimmsten Fall reist das Seil. Stellt es euch ähnlich mit den Faszien vor.

Die Funktion der Kraftübertragung und die Stoßdämpferfunktion sind Teil der Schutzfunktion von Faszien – aber auch bei dem Schutz vor Bakterien und Viren wirken Faszien mit.

Insbesondere der Schutz vor Spannungskräften und Gewalteinwirkungen erklärt sich aus zuvor erläuterten Funktionen der Kraftübertragung, Stabilität und Stoßdämpfung. Zusammenfassen lassen sich diese Funktionen unter einer Schutzfunktion von Faszien. Diese Schutzfunktion geht laut dem Modell aber weit darüber hinaus und hängt damit zusammen, dass Faszien teilweise Organe durchdringen und diese segmentieren – bspw. die Lunge. Diese Segmentierung soll im Sinne der Schutzfunktion dafür sorgen, dass bspw. die Lunge nur segmental von Viren und Bakterien befallen wird.

Der Transport von Abbau- und Aufbaustoffen findet teilweise über das fasziale System des Körpers statt. Damit gehört auch die Transportfunktion zu den Funktionen von Faszien.

Die letzte aber eine weitere wesentliche Funktion von Faszien charakterisiert die Transportfunktion. Mittels dieser Transportfunktion wird Flüssigkeit (Lymphflüssigkeit) zwischen Faszien abgeleitet sorgt damit für den Transport von Abbau- und Aufbaustoffen. Verspannungen können zu einem Stau von Lymphen und zu einer Störung der Transportfunktion führen. Es ergibt sich allein aus der Logik heraus, dass dies zu einer Leistungseinschränkung führen muss, wenn Abbau und Aufbaustoffe nicht mehr transportiert werden können. Jeder Industriezweig kennt die Bedeutung von Ressourcennachschub. Ist der Nachschub unterbrochen findet keine Produktion statt worauf das Unternehmen wohlmöglich ausgerichtet ist – außer vielleicht die Dienstleistungsbranche.

Zusammenfassend für die Funktionen von Faszien im Sinne des Faszien-Distorsions-Modells bedeutet das:
  • Faszien funktionieren als Trägersystem und formen unseren Körper, sie halten unseren Körper zusammen.
  • Faszien übertragen Kräfte und sorgen für Stabilität, vor allem eine dynamische Stabilität. Dadurch ist es möglich mittels der Kombination aus Muskelkraft und der Vorspannung (dank der dynamischen Stabilität) der Faszie ein erhöhtes Kraftpotential abzurufen.
  • Eine Störung der Faszie kann zu einer reduzierten Gleitfähigkeit der Faszie führen was eine erhöhte Muskelarbeit zur Folge hat. Dies können Ursachen für erhöhte Spannungsschmerzen sein.
  • Faszien besitzen eine Stoßdämpferfunktion. Diese Funktion ermöglicht unserem Körper das Ableiten von starken Kraftimpulsen und schützt u.a. lebenswichtige Organe vor lebensbedrohlichen Verletzungen.
  • Die Funktion der Kraftübertragung und Stoßdämpfung sind als Teil der Schutzfunktion der Faszien zu verstehen. Zur Schutzfunktion der Faszie gehört aber auch das Segmentieren von Organen was zum Schutz oder zur Isolierung von durch Viren oder Bakterien befallenen Bereichen beiträgt.
  • Der Transport von Abbau- und Aufbaustoffen findet teilweise durch Faszien statt.
  • Die Funktionen von Faszien lassen sich in 5 Überschriften zusammenfassen: Trägerfunktion, Funktion der Kraftübertragung und Stabilität, Stoßdämpferfunktion, Schutzfunktion und Transportfunktion

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